Abenteuerliche Schneeschuhwanderung auf den Fischbühel in Südtirol

Schneeschuhwanderung Fischbühel, Südtirol

Noch vor einem Jahr hätte ich nicht geglaubt, dass ich je in meinem Leben im Winter wandern werde. Ich leide unter dem Raynaud-Syndrom und bekomme schnell weiße Finger, wenn es kälter wird (manchmal reichen sogar die Temperaturen um 15 Grad). Trotzdem habe ich mich im letzten Winter getraut, im Winter in die Berge zu gehen. Bei den ersten Wanderungen auf den Heimgarten, die Pleisenhütte und um die Drei Zinnen hat sich nämlich meine Erfahrung vom Langlaufen bestätigt, dass das Problem der weißen Finger nicht auftritt oder verschwindet, sobald ich mich schneller bewege und mein Kreislauf in Schwung gebracht wird.

Ende März über die Osterfeiertage verbrachten wir einen wunderschönen Kurzurlaub in Südtirol. Kurzfristig buchte ich über booking.com ein günstiges Hotel in Algund in der Nähe von Meran. Nach 4 Stunden Autofahrt waren wir am Abend wieder in Südtirol, unserem beliebten Reiseziel. Um uns etwas nach der Autofahrt zu bewegen, machten wir am Abend einen langsamen Lauf nach Dorf Tirol und Meran, und besuchten danach eine Pizzeria.

Am nächsten Tag packten wir unsere Rennräder aus und starteten vor dem Hotel unsere Tour durch das Etschtal. Ich wollte zum Reschensee am westlichen Ende des Tals radeln. Aber wie sich ziemlich schnell herausstellte, war das Ziel für mich nicht zu erreichen. Das Etschtal ist wunderschön zwischen hohen Gipfel gelegen, allerdings sind auf der Strecke Hunderte Höhenmeter zu bewältigen. In Prad, nach 50 Kilometern, mussten wir umdrehen, weil mich die Steigungen und der Wind ziemlich müde gemacht hatten. Trotzdem war es eine tolle Rennradtour. Wir fuhren meistens an der Etsch vorbei, durch malerische Orte des Vinschgaus, sahen unzählige Apfelplantagen (die Apfelblüte beginnt allerdings einen Monat später) und hatten die ganze Zeit schneebedeckte hohe Gipfel vor Augen.

Meine zweite Schneeschuhwanderung: Die abenteuerliche Bergtour auf den Zweitausender Fischbühel in der Texelgruppe

Das Highlight unseres Kurzurlaubs in Südtirol war die Schneeschuhwanderung auf den Zweitausender Fischbühel. Der Startpunkt unserer Wanderung war der Gasthof Tiroler Kreuz (806 m), nördlich des Ferienortes Tiroler Dorf. Die erste Etappe verlief überwiegend im Wald und zu dieser Jahreszeit gab es dort keinen Schnee. Wir trafen einige andere Wanderer, sogar Familien mit Kindern im Alter meines Sohnes (10). Wir gingen an mehreren Almen vorbei. Erst auf 1500 m mussten wir durch den Schnee laufen. Hier waren wir ganz alleine unterwegs und das Abenteuer begann.

Bei der Bockerhütte (1700 m) versanken wir im Schnee und mussten die Schneeschuhe anlegen. Die erste Erfahrung mit Schneeschuhen hatte ich schon zwei Monate früher gemacht und mich sofort dafür begeistert. Teilweise konnte man den Weg nicht sehen, weshalb wir ihn einmal verloren und einen zugefrorenen Bach überqueren mussten. Spannend war es auch, durch zwei riesige Lawinenfelder zu gehen und zu beobachten, was für riesige Schäden die Lawinen angerichtet hatten. Ich hatte manchmal ein mulmiges Gefühl und etwas Angst, dass uns selbst eine Lawine erwischen könnte. Da mein Freund sehr bergerfahren ist und ich an meinen Schutzengel glaube, konzentrierte ich mich jedoch auf das Genießen der traumhaft schönen Schneelandschaften und der unvergesslichen Blicke auf hohe, schneebedeckte Gipfel sowie das Fotografieren.

Obwohl der Aufstieg durch den Schnee anstrengend war und wir nur langsam vorankamen, erreichten wir nach 4,5 Stunden unser Ziel, die Gegend der Spronser Seen. An einem der Sponser Seen gingen wir vorbei, allerdings konnte man ihn kaum als See erkennen, weil er zugefroren und mit Schnee bedeckt war.
Der Gipfel Fischbühel (2191 m) befindet sich gleich neben der Alm Oberkas. Somit war es keine große Herausforderung mehr, ihn zu erreichen. Auf dieser Höhe war die Luft klarer und wir konnten endlich in den blauen Himmel blicken. Auf dem Gipfel erlebten wir unvergessliche Momente und genossen wunderschöne Aussichten auf die weiße Bergwelt. Der Abstieg ging leicht und nach zwei Stunden waren wir wieder unten beim Auto.

Auf dieser größeren Winterwanderung entstand die Idee, meinen großen Traum zu verwirklichen und nach 20 Jahren wieder einen Viertausender zu besteigen. Mit 22 Jahren war ich auf ein paar hohen Gipfeln in den Westalpen, unter anderen auf dem Weissmies in den Walliser Alpen. Danach erfolgte die lange Lebensphase (16 Jahre), in der ich mich körperlich kaum betätigt und aus meiner heutiger Sicht ein langweiliges Leben geführt hatte. Die Folgen waren eine große Unzufriedenheit und eine leichte Depression nach der Geburt meines Sohnes (2006). Diese habe ich „selbst“ geheilt, ohne Therapien oder Antidepressiva, als ich vor 6 Jahren mit dem Sport, dann mit wunderschönen und erlebnisreichen Outdoor-Touren angefangen habe. Heute führe ich endlich ein spannendes und glückliches Leben mit meinem neuen Lebenspartner. Die Depressionen sind von alleine verschwunden.

Mitte August bestiegen wir an einem herrlichen, sonnigen Tag den Weissmies. Das war das größte Abenteuer in meinem neuen Leben, aber sicher nicht das letzte.

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