Herausforderung Meraner Höhenweg – 100-km-Wandern in drei Tagen

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Der Meraner Höhenweg gehört zu den schönsten Rundwanderwegen in den Alpen. Auf der Strecke von 100 Kilometern sind ca. 7000 Höhenmeter zu bewältigen. Der wunderschöne Höhenweg liegt nördlich von Meran und umrundet die Texelgruppe sowie die Sponser Seen. Man wandert überwiegend auf der Höhe von 1200 bis 1600 m. Es gibt aber auch Ausnahmen. Der höchste Punkt des Meraner Höhenwegs, der Eisjoch, liegt auf 2895 m und der tiefste Punkt beim Hof Gruber im Kalmtal auf 839 m. Je nach Kondition und täglicher Wanderzeit benötigt man für diese anspruchsvolle Strecke von 100 Kilometern 3 bis 7 Tage.

Anfang November war ich zum ersten Mal auf dem Meraner Höhenweg zwischen dem Gasthof Giggelberg und der Bergstation Unterstell gewandert. Die wunderschönen Landschaften hatten mich derart beeindruckt, dass ich beschloss, den gesamten Meraner Höhenweg im Sommer zu begehen. Da ich aber nur zweimal im Jahr einen längeren Urlaub ohne meinen kleinen Sohn machen kann und mittlerweile eine gute Kondition habe, war mein Ziel, die 100-km-Rundwanderung in 3 Tagen zu schaffen. Die Tagesetappen von ca. 33 km und 2000 Höhenmetern waren auch ein gutes Training für meinen Freund. Ende Juli wird er nämlich an seinem ersten großen Ironman 70.3 in Zürich teilnehmen.

Am Donnerstag nachmittag in der vorletzten Juni-Woche starteten wir mit dem Auto Richtung Südtirol und erreichten am späten Abend wir den Berggasthof Magdfeld, der sich auf 1150 m oberhalb von St. Martin im Passeiertal befindet. Das war ein idealer Startpunkt für unsere Rundwanderung, weil wir das Auto auf dem Parkplatz des Berggasthofs für die Zeit unserer Tour parken durften.

Am Freitag ging es, kurz nach 8 Uhr, auf die erste Etappe Richtung Gasthof Pirchhof. Wir wussten nicht, ob wir das geplante Ziel erreichen, weil es normalerweise eine Strecke für zwei Tage ist und an diesem Tag sehr heiß war (über 30 Grad). Trotz der Hitze gingen wir ziemlich flott und kühlten uns immer wieder mit dem Wasser der zahlreichen Bergbäche ab. Die Sicht war nicht die beste, aber die Blicke auf das Passeiertal, Meran und das Etschtal waren trotzdem wunderschön. Wir wanderten an unzähligen Höfen vorbei, durch grüne Wiesen mit blühenden Blümchen und schattenspendende Wälder.

Nach 3,5 Stunden erreichten wir die Bergstation Hochmuth auf 1400 m. Dort machten wir die erste Rast und genossen die kleine Mahlzeit sowie Erfrischungsgetränke im Schatten der Sonnenschirme. Der Gasthof Hochmuth bietet herrliche Blicke über Meran und das Etschtal und ist ein beliebtes Tagesausflugsziel.

Nach einer Stunde Rast wanderten wir Richtung Gasthof Pirchhof weiter. Auf der Strecke überquerten wir eine lange Hängebrücke und erreichten das Hochganghaus (1839 m). Mein Freund besuchte den Gasthof, um sich dort ein kaltes, alkoholfreies Bier zu gönnen. Ich sparte mir das Geld und machte stattdessen eine kleine Rast in herrlicher Lage – auf einer wunderschönen Wiese mit Blick auf grandiose Felswände.

Gegen 17 Uhr wussten wir, dass wir am späten Abend den Gasthof Pirchhof erreichen werden und reservierten telefonisch zwei Plätze im Bettenlager. Der Weg war aber noch ziemlich lang. Kurz vor 19 Uhr gingen wir am Gasthof Giggelberg (1565 m) vorbei und mussten am Ende unserer ersten Tagesetappe noch einen Anstieg in der malerischen 1000-Stufen-Schlucht bewältigen. Nach 9 Stunden Wanderzeit in der Hitze war ich mit meinen Kräften am Ende. Die Stufen konnte ich nur ganz langsam hinaufsteigen und der nahegelegene Gasthof Pirchhof schien mir sehr weit zu sein. Um 20.30, also nach 9,5 Stunden Gehzeit vom Gasthof Magdfeld aus, erreichten wir das Ziel unserer ersten Etappe. Wir hatten insgesamt 35 km mit ca. 2000 Höhenmetern gemeistert. Der hübsche Hofschank Pirchhof bietet traumhafte Blicke über das Etschtal und Naturns. Der Gasthof hatte mich schon im November aufgrund seiner herrlichen Lange sehr beeindruckt. Nach dem Check-in und einer warmen Dusche ließen wir den Tag bei leckerem Essen und Rotwein ausklingen.

Am Samstag begann gleich nach dem Frühstück die zweite Etappe unserer Rundwanderung. Nach 20 Minuten überquerten wir eine riesige Hängebrücke. Danach gingen wir am hübschen Gasthof Linthof vorbei, wo wir schon im November Kaffee, Kuchen und herrliche Blicke genossen hatten. Auch das Schloss Juval mit dem Messner Mountain Museum war von der Strecke aus zu sehen. Etwas später führte der Meraner Höhenweg am Katharinaberg vorbei. Der kleine Ort befindet sich auf 1245 m im Schnalstal und die Kirche gehört zu den beliebten Fotomotiven des Meraner Höhenwegs. Leider konnten wir sie bisher nur aus der Entfernung betrachten.

Nach 5 Stunden Wanderzeit erreichten wir gegen 13.30 Uhr den Gasthof Jägerrast (1694) im Pfossental, wo wir die erste längere Rast machten. Die Kellnerin meinte, dass es unmöglich sei, die Stettiner Hütte zu überschreiten und die erste Übernachtungsmöglichkeiten in Pfelders vor dem Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Wir waren jedoch zuversichtlich und machten uns nach dem Mittagessen auf den Weg. Wir gingen flott am Pfossentalbach, an der Mittelkaser- und Rableid-Alm vorbei und nach einer Stunde erreichten wir den Eishof (2076 m), die letzte Übernachtungsmöglichkeit von der Stettiner Hütte. Da es schon etwas spät war (15.30 Uhr) und oben auf 2800 m noch viel Schnee lag, riet uns der Wirt von der weiteren Wanderung ab. Mein Freund wollte dem Rat folgen, aber ich wusste, dass Weitergehen die einzige Möglichkeit ist, den Meraner Höhenweg in drei Tagen zu schaffen. Wir hatten immer noch die Möglichkeit umzudrehen.

Der weitere Weg war wunderschön. Wir waren alleine und umgeben von hohen Bergen. Auf einer Wiese neben einem Wasserfall sahen wir Bergziegen. So viele Bergziegen an einer Stelle habe ich noch nie gesehen. Der Himmel war bedeckt, wir hörten Donner von nahen Gewittern und es regnete. Nach einer Stunde Gehzeit vom Eishof befanden wir uns auf der Höhe von ca. 2500 m und ich konnte mir nicht vorstellen, dass bei der Stettiner Hütte Ende Juni viel Schnee liegt.

Eine halbe Stunde später stellte sich heraus, dass ich nicht recht hatte. Bald mussten wir durch den Schnee stapfen. Der steile Aufstieg zur Hütte durch die Schneefelder ging sehr langsam voran. Meine Halbwanderschuhe waren für diese Bedingungen ungeeignet. Ich versank immer wieder bis zu den Knien im Schnee und die Schuhe wurden nass. Trotzdem dauerte unsere Gehzeit vom Eishof zur Stettiner Hütte (2875 m) nur 2,5 Stunden, was gar nicht so schlecht war. Wir machten eine kurze Pause bei der geschlossenen Stettiner Hütte. Sie wurde im Februar 2014 von einer Lawine zerstört und es gibt nur noch eine provisorische Holzhütte, in der aber keine Übernachtungen möglich sind. Die neue Hütte soll in diesem Jahr gebaut werden, aber große Bautätigkeiten waren noch nicht zu sehen.

Der Abstieg von der Stettiner Hütte führte am Anfang ebenfalls langsam durch den Schnee. An einer Stelle hatte ich Angst, weil sie wie eine steile Schneewand aussah und ich befürchtete abzurutschen. Mit dem Stock meines Freundes (bisher hatte ich mich in den Bergen immer ohne Stöcke bewegt) konnte ich jedoch die gefährliche Stelle vorsichtig begehen. Später erfuhren wir im Gasthof Zeppichl, dass eine Frau am selben Tag dort abgestürzt ist. Zum Glück ist ihr nichts passiert. Zufälligerweise trafen wir sie am Ende unserer Tour im Gasthof Magdfeld.

Nach einer Dreiviertelstunde verließen wir die Schneefelder und konnten wieder etwas flotter gehen. Meine Füße, die schon viele Blasen hatten, schmerzten allerdings. Der Abstieg zur Latzinser Alm (1860 m) im Pfelderer Tal dauerte von der Stettiner Hütte 2 Stunden. Wir hofften, dass wir dort übernachten können, aber die Alm bietet keine Übernachtungen an. Die nette Wirtin rief den Gasthof Zeppichl an, um zu fragen, ob es noch Übernachtungsmöglichkeiten gibt und schlug vor, uns dorthin zu bringen. Wir bedankten uns, wollten aber die gesamte Strecke ausnahmelos zu Fuß schaffen. Als wir den Gasthof kurz nach 21 Uhr erreichten, zog ich die Schuhe sofort aus und hoffte, dass ich die letzte Etappe trotz der verletzten Füße schaffen werde.

Die zweite Etappe unserer Rundwanderung auf dem Meraner Höhenweg betrug, ähnlich wie die erste, ca. 35 km. Auf dieser Strecke bewältigten wir gute 2000 Höhenmeter. Dass ich diese schwierige Strecke mit viel Schnee schaffte, verdanke ich nur meinen Winterwanderungen im letzten Winter: auf die Pleisner Hütte, auf die Gipfel Wallberg und Setzberg sowie auf den Zweitausender Fischbühel. Ohne die ersten Erfahrungen auf Schnee hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut, am Abend durch die riesigen Schneefelder zu gehen.

Am nächsten Tag schliefen wir etwas länger im hübschen Doppelzimmer des Gasthofs Zeppichl und frühstückten lange. Wir schätzten, dass unsere letzte Etappe des Meraner Höhenwegs nicht wesentlich länger als 20 km ist.

Das Wetter war ziemlich schlecht, was aber den Vorteil hatte, dass es bei der kühlen Witterung leichter zum Wandern war. Die Berge mit bedecktem Himmel und Nebelwolken sahen ziemlich geheimnisvoll aus. Auf der anderen Seite des Pfelderer Tals konnten wir riesige Wasserfälle beobachten, die aus dem geschmolzenen Schnee entstanden und den Berg hinunterflossen. Wir wanderten durch Wälder und auf asphaltierten Straßen. Nach 2 Stunden ging es meinen Füßen immer schlechter und ich konnte nur noch ganz langsam gehen. Normalerweise sind wir in den Bergen wesentlich schneller als normale Wanderer. An diesem Tag hätten mich die langsamsten Wanderer überholt, wenn wir sie getroffen hätten. Gegen 15 Uhr überraschte uns ein heftiges Gewitter mit Blitzen, Donner und starkem Regen, sodass wir uns unter einem Dach verstecken mussten.

Am Nachmittag kam ich auf die Idee, die drückenden Schuhe auszuziehen und barfuß zu gehen. Das ging auf dem Asphalt und auf den Wiesen ganz gut. So lief ich eine gute Stunde, aber im Wald musste ich meine unbequemen Schuhe wieder anziehen. Mit den Stöcken meines Freundes schaffte ich die restlichen Kilometer. Nach 6 Stunden Wanderzeit beendeten wir die letzte Etappe und erreichten um 18. 30 Uhr den Gasthof Magdfeld. Dort zog ich sofort die Wanderschuhe aus und schlüpfte in bequeme Sportsandalen. Im Gasthof erholten wir uns bei Kaffee und Kuchen, unterhielten uns mit dem Wirt und der Wanderin, die am gleichen Tag wie wir die Stettiner Hütte überschritten hatte und verließen mit dem Auto den wunderschönen Meraner Höhenweg. Im Auto suchte ich auf booking.com eine günstige Unterkunft, das 3-Sterne-Hotel Dornbach in Tiroler Dorf, wo wir nach dem Besuch der Pizzeria eine erholsame Nacht verbrachten. Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück und einem kleinen Spaziergang durchs Dorf Tirol nach Hause zurück.

Unsere 3-tägige Rundwanderung auf dem Meraner Höhenweg war wieder eine erlebnisreiche und abenteuerliche Tour inmitten der wunderschönen Bergwelt, die sehr lange in Erinnerung bleiben wird. 100 km mit 7000 Höhenmetern in drei Tagen zu begehen, war eine Herausforderung, die ich trotz der drückenden Schuhe und der vielen Blasen gemeistert habe. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich mein Ziel erreicht habe. Meiner Meinung nach braucht jeder Mensch besondere Erlebnisse, etwas Abenteuer, Ziele und Herausforderungen, um zu spüren, dass er richtig lebt und nicht nur existiert.
Solche Touren sind ein Weg, das monotone und stressige Hamsterrad zu verlassen. Man muss den Job nicht kündigen und durch die Welt reisen, wie viele Reiseblogger das empfehlen, um etwas Besonderes zu sehen und erleben. Das geht auch während einer 3-tägigen Hüttenwanderung. Es müssen auch nicht 100 km mit 7000 Höhenmetern sein, weil man dazu eine entsprechende Kondition braucht. Den Meraner Höhenweg kann man gemütlich in 6 bis 8 Tagen begehen, wenn man mehr Zeit als wir zur Verfügung hat.

2 Comments

  • Hi Iwona,

    Respekt für eure sportliche Leistung!
    100km in den Alpen in 3 Tagen zu meistern ist schon ordentlich.
    Super Bilder übrigens 🙂

    LG Alex

    • Danke… Ja, das war nicht ganz einfach, dazu noch mit einem 7-kg schwerem Rucksack. Aber ich hatte einfach ein Ziel vor den Augen. Im nächsten Jahr klappt es vielleicht mit der Alpenüberquerung.

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