Hoher Burgstall und Jochkreuz – Winterwandern im Stubaital auf zwei Zweitausender

Wandern Stubaital im Winter

In der ersten Dezemberwoche haben wir in Oberbayern und in den Alpen traumhaftes Wetter mit viel Sonnenschein und blauem Himmel. Da mein Sohn das Wochenende bei seinem Papa verbringt, ist es für mich und meinen Freund ein Muss, in die Berge zu fahren. Diesmal will ich unbedingt eine neue Region der Alpen entdecken. Sie darf allerdings nicht zu weit von München entfernt sein, weil mein Freund nach der stressigen Woche nicht so lange Auto fahren will. Schnell entscheide ich mich für das berühmte Stubaital, das sich südlich von Innsbruck befindet. Mein Freund ist einverstanden. Er kennt die Stubaier Alpen richtig gut. Schließlich geht er seit über 40 Jahren in die Berge und hat schon hunderte Bergtouren gemacht.

Über booking.com, wie immer bei unseren spontanen Wochenendtrips, buche ich das 4-Sterne-Hotel Oberhofer in Telfes im Stubai. Das Hotel macht einen guten Eindruck, verfügt über einen Indoorpool und der Preis ist bezahlbar.

Am späten Nachmittag starten wir Richtung Innsbruck. Ich muss fahren, weil mein Freund sich nach dem anstrengenden Arbeitstag im Auto erholen möchte. Am späten Abend erreichen wir unsere Unterkunft. Nach dem kurzen Check-in besuchen wir ein Restaurant im Nachbarort Fulmpes. Dort suchen wir das Ziel unserer ersten Wanderung, den Hohen Burgstall.

BERGTOUR AUF DEN HOHEN BURGSTALL (2611 M)

Tourdaten:
Höhendifferenz: 1600 Höhenmeter (bergauf und bergab)
Distanz: 18 km
Start-/Endpunkt: Parkplatz in Neustift im Stubaital (993 m)
Zwischenziel: Starkenburger Hütte (2237 m)
Gipfel: Hoher Burgstall (2611 m)

Am nächsten Tag schwimme ich noch vor dem Frühstück im Hotelpool. Es ist eine feine Sache, gleich nach dem Aufstehen ein paar Bahnen zu drehen. Das regt den Kreislauf an und macht gute Laune. Ich bin alleine im Pool und genieße herrliche Blicke auf schneebedeckte Gipfel. Das Frühstück ist ebenso genussvoll. Das kleine Buffet bietet viel Auswahl und alles schmeckt lecker. Wir sitzen direkt am großen Fenster und können die Berge sehen.

Unsere Wanderung starten wir gegen 11 Uhr in Neustift im Stubaital. Das Wetter ist herrlich. Gleich am Anfang verläuft der Wanderweg im Wald. Dort ist es schattig und etwas kalt, deshalb müssen wir flotter gehen. Danach wandern wir an mehreren malerischen Holzhäuschen vorbei, die ein interessantes Fotomotiv darstellen.

Nach 2,5 Stunden erreichen wir die Kasserstatt Alm (1900 m). Hier liegt schon etwas mehr Schnee. Der weitere Weg verläuft auf der breiten Forststraße. Die Blicke auf weiße Gipfel sind grandios. Die Starkenburger Hütte ist von Weitem zu sehen. Der Weg verläuft am riesigen Berghang vorbei, an dem ein Lawinenschutz angelegt wurde. Kurz vor der Hütte befindet sich ein riesiges Tor. Mit der gegenüber strahlenden Sonne sieht es beeindruckend aus.

Die Starkenburger Hütte (2237 m) erreichen wir kurz nach 15 Uhr. Von hier aus bis zum Gipfel sind es nur noch 400 Höhenmeter. Im Winter ist es schon fast zu spät, um den Gipfel noch zu besteigen. Auf dem Weg zum Gipfel liegt viel Schnee und wir haben keine Schneeschuhe dabei. Trotzdem beginnen wir mit dem Aufstieg. Umdrehen können wir doch immer, lautet unser Motto.

Wir gehen so schnell wie möglich. Die Hoffnung auf das Gipfelglück gibt mir Kraft. Der Hohe Burgstall ist schon zu sehen und wir müssen nur noch die letzten 100 Höhenmeter bewältigen. Allerdings ist der letzte Abschnitt des Wanderwegs alles andere als harmlos. Auf der ersten stark ausgesetzten Stelle habe ich Angst, dass ich abrutsche.

Danach stehen wir fast vor dem Hohen Burgstall mit dem wunderschönen Gipfelkreuz. Ich will unbedingt den Gipfel betreten, aber der Zugang sieht sehr gefährlich aus. Rechts und links ist der schmale Weg extrem stark ausgesetzt. Auf dem Schnee auszurutschen und in den Abgrund zu fallen, würde den Tod bedeuten. Im Sommer hätte ich damit kein großes Problem, aber auf dem Schnee fühle ich mich sehr unsicher. Da es jedoch nur eine kurze Strecke ist (10 bis 20 Meter) traue ich mich, den Weg zu betreten, obwohl meine Beine zittern und mein Herz schrecklich laut klopft. Danach stehe ich schon auf dem Gipfel und weiß, dass sich die Anstrengung und Angst gelohnt haben. Die Blicke von 2600 Meter Höhe auf schneebedeckte Gipfel und das Stubaital sind spektakulär und unvergesslich. Sehr spannend sieht das Skigebiet auf der schattigen Nordseite aus. Wir kommen uns wie zwei einsamen Menschen auf dem unbewohnten Mond vor, während andere Touristen des Stubaitals die Annehmlichkeiten unserer Zivilisation nutzen.

Leider können wir nicht zu viel Zeit auf dem Hohen Burgstall verbringen, weil es sehr spät und kalt ist. Gegen 17 Uhr verlassen wir den Zweitausender. Ich muss noch zweimal meine Angst überwinden und die abgesetzten Stellen betreten. Danach bin ich entspannt und genieße den Abstieg. Wir können die herrliche Sonnenuntergangstimmung auf 2000 Meter genießen. Die letzten 500 Meter des Abstiegs verlaufen auf den breiten Forststraßen in der Dunkelheit. Der wunderschöne Sternehimmel und der Halbmond beleuchten jedoch unseren Weg. Ich versuche noch die Stimmung sowie die Orte im Stubaital zu fotografieren, aber ohne das Stativ ist es schwierig.
Kurz nach 20 Uhr erreichen wir den Parkplatz und fahren zum Hotel.

WINTERWANDERUNG AUF DAS JOCHKREUZ (2045 M)

Tourdaten:
Höhendifferenz: 1100 Höhenmeter (bergauf und bergab)
Distanz: 12 km
Start-/Endpunkt: Hotel Oberhofer/Telfes im Stubai (994 m)
Zwischenziel: Pfarrachalm (1740 m)
Ziel/Gipfel: Jochkreuz (2045 m)

Am nächsten Tag starten wir gegen Mittag die zweite Wanderung in unserem Ferienort Telfes im Stubaital. Unser erstes Ziel ist die Pfarrachalm (1740 m). Zunächst verläuft der Wanderweg im Wald Richtung Nordwesten. Nach ca. einer Stunde wird der Wald lichter. Endlich haben wir freie Blicke auf die Berge. An diesem sonnigen Tag sind einige andere Wanderer unterwegs. Wir bewundern zwei Paragleiter, die am blauen Himmel über den Bäumen und Berghängen schweben.

Danach erreichen wir die Pfarrachalm. Dort ruhen sich in der Sonne ein paar andere Wanderer aus. Für uns reicht allerdings die kleine Wanderung nicht. Wir wollen noch einen Gipfel besteigen. Auf der Karte entdecken wir das Jochkreuz (2045 m), das nur noch 300 Höhenmeter entfernt ist. Deshalb bleiben wir nicht lange vor der geschlossenen Alm und wandern weiter Richtung Norden. Wir genießen herrliche Blicke ins Stubaital hinunter.

Gegen 14 Uhr erreichen wir das Jochkreuz mit seinem schönen Gipfelkreuz. Der Zweitausender bietet grandiose Panoramablicke bis nach Innsbruck im Norden. Auf dieser Höhe liegt so gut wie kein Schnee. Wir machen eine Rast auf dem Gipfel und beginnen mit dem Abstieg. Allerdings entscheiden wir uns für einen anderen Rückweg. Wir steigen über die Nordseite Richtung Osten ab. Hier im Schatten gibt es relativ viel Schnee. Trotzdem geht es mit dem Stöcken schnell hinunter und nach 1,5 Stunden sind wir wieder im Tal.

Danach müssen wir das Stubaital verlassen. Ich weiß aber schon sicher, dass ich im nächsten Jahr zum Wandern in den wunderschönen Stubaier Alpen wiederkomme.

HOTEL OBERHOFER IN TELFES IM STUBAI – UNSERE UNTERKUNFT

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