Zum vierten Mal auf dem Heimgarten – Wandern mit herrlichen Blicken über den Walchensee

Heimgarten Wandern

Der Heimgarten ist ein 1780-m-hoher Berg in den Bayerischen Voralpen und gehört zu den beliebtesten Wanderzielen in Bayern. Der Gipfel bietet herrliche Blicke über den Walchensee und den Kochelsee. Die Wanderung auf den Heimgarten mit ca. 1000 bis 1200 Höhenmetern ist relativ einfach und kann zu jeder Jahreszeit unternommen werden. Die Ausgangspunkte Ohlstadt, Walchensee und Schlehdorf am Kochelsee sind mit dem Auto von München ziemlich schnell erreichbar.

Seit ich mit dem Wandern vor 3 Jahren angefangen habe, war ich schon viermal auf dem schönen Gipfel. Die erste Wanderung auf den Heimgarten habe ich Ende September 2013 unternommen. Damals hatte ich noch eine schlechte Kondition und wenig Erfahrung in den Bergen. Der Aufstieg dauerte ewig und machte mir keinen Spaß –  umso mehr, weil das Wetter so hässlich war. Alles änderte sich plötzlich, als die Sonne auftauchte. An diesem Tag hatten wir eine besondere Wetterlage – die Inversion. Unten in Ohlstadt und im Wald war es kalt und bewölkt, oben dagegen warm und sonnig. Auf dem Gipfel konnten wir ein wunderschönes Naturschauspiel bewundern: das Wolkenmeer. Das hatte ich schon ein paar Mal auf Teneriffa erlebt. Bis zu dieser Tour wusste ich nicht, dass die Inversionswetterlage in den Alpen im Herbst und im Winter ziemlich oft vorliegt. Kein Wunder, dass sich meine Laune sofort verbesserte und das Wandern wieder Spaß machte. In der Heimgartenhütte konnten wir draußen sitzen (mein Freund kurzärmlig) und bei Kaffee und Kuchen das herrliche Naturschauspiel genießen.
Obwohl ich mittlerweile sehr oft wandern gehe, auch im Herbst und Winter, habe ich die Inversionswetterlage leider nie mehr erlebt.

Ganz andere Wetterverhältnisse hatte ich bei meiner zweiten Wanderung auf den Heimgarten vor 2 Jahren. An diesem Tag, Ende Mai, war es schon sehr warm. Ich nutzte das schöne Wetter und fuhr alleine nach Ohlstadt. Das war meine erste Solo-Wanderung, die ich mir jedoch zutraute. Mittlerweile hatte ich auf vielen Bergtouren mit meinem Freund die nötige Bergerfahrung gesammelt. Außerdem hatte ich ein Jahr lang viele Rennradtouren alleine unternommen. Auch meine Kondition hatte sich durch häufiges Laufen und zwei erste 10-km-Läufe wesentlich verbessert.

Diesmal sollte die Wanderung auf den Heimgarten nicht nur ein Erlebnis, sondern auch eine sportliche Herausforderung sein. Obwohl ich spät, erst kurz vor 13 Uhr, mit dem Aufstieg vom Ohlstadt aus begann, hatte ich noch Zeit, um auf den Herzogstand (1731 m) hinaufzusteigen. Der Nachbargipfel ist über einen Gratweg vom Heimgarten aus zu erreichen. Allerdings würde ich die Gratwanderung nicht mehr als einfach bezeichnen. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und festes Schuhwerk sind erforderlich.
Nur so am Rande: In diesem Jahr wanderte ich alleine auf den Herzogstand von Urfeld am Walchensee aus. Es war windig, spät am Abend und ich traute mich nicht, alleine auf dem Grat weiter zu gehen.
Meine erste Wanderung auf dem Grat bleibt jedoch tief in Erinnerung. Mit leichten Trailrunning-Schuhen ging ich flott bergauf, lief schnell den Berg hinunter und brauchte wesentlich weniger Zeit für die ganze Wanderung als es die Zeitangaben auf den Wanderschildern vorsahen. An diesem herrlich sonnigen Tag genoss ich großartige Blicke auf die Berge sowie über den Walchensee und Kochelsee. Insgesamt war ich 6 Stunden alleine in den Bergen unterwegs und erlebte Glücksmomente auf zwei Gipfeln.

Vor einem Jahr habe ich dann mit meinem Freund zusammen meine erste Winterwanderung an einem sonnigen Dezembertag unternommen. Den Heimgarten hatten wir als geeignetes Ziel ausgesucht. Da wir auf den Gipfel über die Südseite hinaufsteigen wollten, starteten wir am Parkplatz der Herzogstandbahn am Walchensee. Die Landschaften sahen jetzt ganz anders als im Mai aus. Kein sattes Grün, sondern rau und überall nackte Laubbäume. Trotzdem war es schön: die Sonne strahlte zwischen den Bäumen und der Himmel hatte eine strahlend blaue Farbe. Die letzten 300 bis 400 Höhenmeter verliefen über zahlreiche Schneepassagen, so dass ich nur langsam gehen konnte. Auf dem Heimgarten und vor der geschlossenen Heimgartenhütte trafen wir einige andere Wanderer. Wir erfreuten uns an der wunderschönen Aussicht über den Walchensee vor der Kulisse der schneebedeckten Gipfel. Beim Abstieg erlebten wir einen schönen Sonnenuntergang. Diesmal war ich ziemlich langsam, weil ich noch keine Erfahrung beim Wandern auf dem Schnee hatte und mich vor dem Abrutschen fürchtete.

Meiner ersten Winterwanderung auf den Heimgarten folgten weitere Bergtouren im Winter. Ich begeistere mich inzwischen für die weißen Berglandschaften, obwohl ich früher immer Angst vor der Kälte hatte und sehr oft vor dem Winter auf die sonnigen Kanarischen Insel geflüchtet bin.

Vor einer Woche habe ich nun meine vierte Wanderung auf den Heimgarten unternommen. Es war wieder eine Solo-Wanderung. Diesmal hatte ich jedoch kein Glück mit dem Wetter. Nach dem Frühstück sah ich auf der Webcam der Herzogstandbahn blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein. Ich überlegte nicht lange, packte schnell meinen Rucksack und fuhr zum Walchensee. Als ich das Auto auf dem Parkplatz der Herzogstandbahn parkte, war es schon 13 Uhr. Die Bahn war noch im Betrieb, allerdings nur bis Ende der Woche. Das Wetter enttäuschte mich – von der Sonne und dem blauen Himmel war keine Spur mehr übrig. Trotzdem lief ich flott bergauf und hoffte, dass ich oben auf dem Gipfel etwas Sonne genießen werde. Nach einer halben Stunde merkte ich plötzlich, dass ich sehr müde war und mein Herz stark klopfte. Ich ruhte mich etwas aus, aß eine Nussschnecke und trank viel. Ich dachte, dass die Beschwerden durch den Hunger kommen. Meine letzte Mahlzeit war nämlich das Frühstück. Nach der Rast ging ich langsam weiter, aber war trotzdem nicht fitter. Mein Herz klopfte noch stärker und mir wurde etwas schwindelig. Im ersten Moment befürchtete ich, dass ich ein Herzproblem haben könnte. Das war ziemlich unbegründet, weil ich sportlich und gesund bin. Ich war jedoch alleine in den Bergen unterwegs und traf auf der ganzen Strecke nur vier andere Wanderer. Der Wind pfiff laut und es war etwas unheimlich. Der Wanderweg war gerade stark ausgesetzt (es gibt nur ein paar solche Stellen auf dem gesamten breiten Weg). Ich stellte mir vor, was wäre, wenn mir jetzt etwas passieren würde und wollte schon umdrehen. Der innere Schweinehund freute sich riesig. Er ist nämlich wieder stärker geworden, seit meine Kondition ein wenig nachgelassen hat. Trotzdem wanderte ich sehr langsam weiter und dachte, dass ich jederzeit die Tour beenden kann. Schnell spürte ich eine Verbesserung. Mein Herz klopfte nicht mehr und ich fühlte mich wieder fit. Ich musste nur langsam gehen. Nach über einer Stunde Wanderzeit erreichte ich die ersten Schneestellen. Mittlerweile verstand ich, was mit mir los war. Ich ging einfach zu schnell den Berg hinauf. Ich lief so, wie ich es gewohnt war. Dabei berücksichtigte ich nicht, dass sich meine Kondition abgebaut hatte. Ich mache gerade nicht so extrem viel Sport, fahre in der kalten Jahreszeit kein Rennrad und laufe sehr gemütlich und nicht so oft.

Nach 2,5 Stunden Wanderzeit erreichte ich den Heimgarten. Oben, auf 1790 m, blickte die Sonne immer wieder durch die Wolken. Trotzdem war es auf dem Gipfel ziemlich windig und kalt. Ich genoss die Blicke, fotografierte und verließ den Gipfel. Vor der Heimgartenhütte fand ich einen windstillen Platz, wo ich eine kurze Rast machte. Der Abstieg ging schnell, eine Stunde und 15 Minuten, obwohl ich sogar noch länger die Sonnenuntergangstimmung fotografierte. Als ich den Parkplatz erreichte, war es schon ziemlich dunkel. Ich war sehr froh, dass ich trotz der Schwierigkeiten und des schlechten Wetters nicht aufgegeben habe. Ich habe den Gipfel erreicht und mich 6 Stunden in herrlicher Bergwelt bewegt.

 

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