Korsika – Wandern auf dem GR20 im Norden von Calenzana nach Vizzavona – Bericht & Tipps

Wandern auf dem GR20 von Refuge-dOrtu Piobbu zum Refuge Carrozzu

Der GR20 ist ein beliebter Fernwanderweg auf Korsika. Er verläuft durch das korsische Gebirge vom Nordwesten (Calenzana) nach Südosten (Conte) und geht fast auf den höchsten Gipfel der Insel, den Monte Cinto (2706 m), hinauf. Tausende trekkingbegeisterte Leute aus ganz Europa bewandern Jahr für Jahr den berühmten Fernwanderweg. Den GR20 darf man allerdings nicht unterschätzen und mit den Fernwanderwegen in den Alpen nicht vergleichen. Mit schweren Rucksäcken müssen Wanderer in den korsischen Bergen oft klettern, mit extremen Wetterbedingungen (Hitze und Kälte) und mit Wassermangel rechnen. Auf der 180-Kilometer Strecke sind circa 12.500 Meter Höhenunterschied zu bewältigen.

Ende August 2017 bin ich spontan nach Korsika für zwei Wochen geflogen, um dort auf dem berühmten Fernwanderweg GR20 alleine zu wandern. Schon nach der ersten Etappe verstand ich, dass das korsische Gebirge mit den Alpen nicht zu vergleichen ist und dass ich in der Lage bin, nur die nördliche Hälfte von Calenzana nach Vizzavona zu bewandern. Richtig alleine war ich jedoch nicht – auf dem GR20 lernt man viele Leute kennen. Auf vielen Strecken wanderte ich mit anderen Wanderern zusammen. Bei der schwierigsten vierten Etappe, die bis auf 2600 Meter hinauf geht, empfehle ich den Solowanderern, zusammen mit anderen Leuten zu wandern.
Auf dem GR20 war ich 8,5 Tage unterwegs. Zum Schluss verbrachte ich noch ein paar erholsame Tage am Sandstrand südlich von Bastia.

Korsika hat mich derart fasziniert, dass ich mit meinem Sohn und Freund ein Jahr später mit dem Auto auf die französische Inseln gefahren bin. Wir verbrachten vier Augustwochen auf Korsika, unternahmen viele Wanderungen (auch auf dem GR20), besuchten herrliche Strände und sehenswerte Orte. Manche Bilder kommen vom letzten Urlaub.

Mein Erfahrungsbericht:

1. Etappe: Calenzana – Refuge d’Ortu di u Piobbu (11,5 Kilometer, Aufstieg 1400 HM, circa 6,5 Stunden)

Der Ausgangspunkt des GR20 im Norden ist Calenzana. Das kleine Bergdorf, das auf 270 Meter Höhe liegt, ist nur 15 Kilometer von Calvi (Nordwestküste Korsikas) entfernt. Die erste Nacht nach der Ankunft mit dem Flugzeug in Bastia, verbrachte ich in einem Hotel in Calvi. Nach Calenzana fährt einmal am Tag ein Bus, allerdings am Nachmittag um 14:30. In Calenzana war ich erst gegen 15:30 – das ist viel zu spät, um die Wanderung zu beginnen. Bei der ersten Etappe ist es sehr wichtig, früh aufzubrechen.

Der Rother Wanderführer bezeichnet die erste Etappe als „anstrengende Bergwanderung“. Bis zur Bocca a u Salutu (1276 m) ist der Wanderweg ziemlich einfach, aber wegen der Hitze (über 30 Grad) und meines 16-Kilo schweren Rucksacks war ich langsam und erreichte die Bocca a u Salutu erst kurz nach 19:00 Uhr. Dort legte ich eine längere Pause ein und genoss die Sonnenuntergangsstimmung. Weiter ging es durch einen Wald und über Felsen hinauf. Der Felskamm schien mir unendlich zu sein und es wurde immer dunkler. Auf keinem Fall wollte ich alleine in der Dunkelheit über die Felsen wandern und drehte um. Der Sattel Bocca a u Salutu ist eine flache Stelle, die für ein Notbiwak geeignet ist. Zum Glück hatte ich mein super leichtes Zelt dabei, das ich in der Dunkelheit aufbaute. Alleine übernachtete ich hier allerdings nicht – auch mein englischer Bekannte Mark, den ich im Bus vom Flughafen kennengelernt hatte, erreichte später die Bocca und entschloss sich für ein Notbiwak.

Nach dem wunderschönen Sonnenaufgang, bauten wir unsere Zelte ab. Schon um 8 Uhr war es in der Sonne sehr heiß. Wir kletterten über die Felsen und erreichten einen weiteren Sattel Bocca a u Bassiguellu (1486 m). Da ich am Vortag ziemlich viel Wasser getrunken hatte, musste mit ein halber Liter Wasser bis zur Hütte reichen. Ich hatte nämlich nur 2 Liter dabei – viel zu wenig für diese Etappe mit einer Übernachtung und bei der Hitze. Auf der ganzen Etappe (und einigen anderen) gibt es keine Hütten und Wasserquellen.

Nach 3 Stunden erreichte ich das Refuge d’Ortu di u Piobbu und genoss dort eine kalte Cola, endlich genügend Wasser von der Quelle und ein Frühstück. Gleich lernte ich dort ein polnisches Pärchen aus Irland und konnte mich mit ihnen auf Polnisch unterhalten (meine Muttersprache). Kein Wunder, dass ich meine Landleute auf dem GR20 traf – der GR20 ist sehr beliebt und man trifft hier Leute aus ganz Europa.

Ich muss zugeben, dass die erste Etappe mich total überfordert hat. Der extrem schwere Rucksack, die Hitze, der Wassermangel, das schwierige Gelände und das ungeplante Notbiwak in den Bergen. Diese Etappe ist nicht extrem schwer – wesentlich anspruchsvoller sind die 2. und 4. Etappe. Wie hätte ich diese bewältigen können, wenn ich schon bei der ersten so erschöpft war. Ähnlich ging es meiner polnischen Bekannten Magda. Wir wollten beide aufgeben und zur Küste absteigen. Nach einer langen Erholung vor der Hütte machte ich mit dem polnischen Pärchen eine herrliche Wanderung auf den Zweitausender Monte Corona (2144 m). Trotz der Hitze war so einfach, nur mit einem leichten Rucksack zu wandern. Beim Abendessen in der Hütte erlebten wir einen traumhaften Sonnenuntergang. Nach der langen Erholung wollte ich nicht mehr absteigen und versuchen, die zweite Etappe zu bewältigen. Am Morgen überzeugte ich auch Magda, doch mitzugehen.

2. Etappe: Refuge d’Ortu di u Piobbu – Refuge de Carrozzu (7,5 Kilometer, Aufstieg 800 HM, Abstieg 1100 HM, 7,5 Stunden)

Mit dem polnischen Pärchen wanderten wir auf der zweiten Etappe. An diesem Tag war es noch heißer – selbst in der hohen Bergwelt auf 2000 Meter Höhe um die 35 Grad. Diese Etappe ist aus meiner Sicht die zweitschwierigste Etappe auf dem GR20. Man muss viel über Felsen klettern – mit einem schweren Rucksack war es eine wahre Herausforderung.

Zwischen der Punta Pisciaghia und Punta Innominata handelt es sich um eine beeindruckende Höhenwanderung auf knapp 2000 Meter. Die gigantischen Blicke belohnten unsere Anstrengungen. Auch auf dieser Etappe gab es keine Einkehrmöglichkeiten. Die Wasserquelle in 1830 Meter Höhe, die der Rother Wanderführer erwähnt, war ausgetrocknet. Diesmal war es kein Problem – ich hatte ausreichend Wasser dabei.

Für diese Etappe benötigte ich circa 8-9 Stunden inklusive Pausen. Im Refuge de Carrozzu übernachtete ich im Leihzelt, weil ich nicht in der Lage war, im steinigen Gelände Zeltheringe zu befestigen. Das Leihzelt mit einer dicken Matratze beeindruckende mich sofort und ich zahlte später gerne den Aufpreis, um es etwas bequemer zu haben.

3. Etappe: Refuge de Carrozzu – Haut-Asco (5 Kilometer, Aufstieg 800 HM, Abstieg 650 HM, 5,5 Stunden)

Die dritte Etappe bezeichnet der Rother Wanderführer als „anstrengende Bergwanderung“. Auf der 5-Kilometer Strecke muss man zwar 800 Höhenmeter im Aufstieg überwinden, aber die Etappe ist technisch nicht so extrem schwierig wie die zweite Etappe. Ich wanderte an diesem Tag alleine, weil am Nachmittag Unwetter angesagt war. Meine polnischen Bekannten waren etwas langsamer als ich und befürchteten, dass sie erst am Abend Haut-Asco erreichen. Ich habe sie nie mehr getroffen, aber da wir über Facebook Kontakt haben, weiß ich, dass sie die nördliche Hälfte des GR20 auch bewandert haben.

Ziemlich am Anfang der Etappe überquerte ich eine beeindruckende Hängebrücke. Danach wanderte ich auf riesigen Felsplatten. In der Mitte der Strecke, auf 1840 m, liegt ein kleiner Bergsee Lac de la Murvella. Da dem See austrocknen droht, ist das Baden verboten. An diesem Tag war es allerdings nicht so heiß, daher vermisste ich nicht die Abkühlung im See. Danach erreichte ich die Bocca di Stagnu (1985 m), die ein beliebtes Wanderziel für Tageswanderungen ab Haut-Asco ist. Der steile Abstieg war ziemlich anstrengend, besonders mit einem schweren Rucksack.

Auf der dritten Etappe wanderte ich circa 6 Stunden (inklusive Pausen). In Haut-Asco übernachtete ich in einem Gité (Mehrbettzimmer mit eigenem Bad). Diese Unterkunftsart gibt es auf dem GR20 nur an den wenigen Orten mit Straßenanbindung. Hier gibt es auch ein Hotel mit einem Restaurant. Da ich Haut-Asco schon gegen 14 Uhr erreichte, konnte ich mich etwas vor der Königsetappe am nächsten Tag erholen.

4. Etappe: Haut-Asco – Monte Cinto – Refuge Tighiettu (9 Kilometer, Aufstieg 1300 HM, Abstieg 1000 HM, 8 Stunden)

Die vierte Etappe ist zweifelsohne die anspruchsvollste Wanderung auf dem GR20. Auf der 9-Kilometer Strecke muss man circa 1300 Höhenmeter bewältigen. Es gibt einige Kletterstellen der Stufe I, manchmal ohne Seilversicherung. Bei dieser Etappe ist es angesagt, möglichst früh aufzubrechen. Die schwere Bergtour sollte man nur bei guten Wetterverhältnissen und ausgeruht unternehmen. Ich würde den Solo-Wanderern empfehlen, auf dieser Etappe nicht alleine zu wandern. Ich habe schon viel Erfahrung in den Bergen und gehe manchmal auf die Zweitausender in den Alpen wie die Seebergspitze alleine. Aber die vierte Etappe des GR20 mit der Besteigung des Monte Cinto kann ich eher mit einem Dreitausender in den Alpen vergleichen. Die Dreitausender besteige ich nicht alleine.

Auf dem Biwakplatz Haut-Asco lernte ich einige neue Wanderer kennen. Hier traf ich auch wieder meinen englischen Bekannten Mark, der ziemlich überrascht war, dass ich weiter wandere und jetzt die schwierigste Etappe bewältigen will. Nach der ersten Etappe war ich doch ziemlich verzweifelt und wollte aufhören.

Mit Mark und zwei Frauen aus Estland gingen wir gegen 7 Uhr los. Schon nach einer Stunde kam die erste Kletterstelle (das erste Bild unten). Mit dem schweren Rucksack war es so anstrengend, aber auch gefährlich, auf den nackten Felsen zu gehen. Die Stelle ist zwar kurz, aber ich kann es nicht nachvollziehen, warum sie nicht besser seilversichert ist.

Nach dem langen Felsenabschnitt ging es durch den Schutt. Man musste aufpassen, dass man nicht auf zu große Steine tritt, die abrutschen und die Wanderer gefährden, die weiter unten wandern. Es war sehr windig und sehr kalt im Schatten. Angenehmer wurde es erst in der Sonne.

Gegen 10 Uhr erreichten wir die hohe Bergwelt auf circa 2300 Meter – dort genossen wir den herrlichen Ausblick und die Sonne. Bald konnten wir auch das Mittelmeer sehen. Danach mussten wir noch einige schwierige Stellen bewältigen, bis wir den höchsten Punkt auf dem GR20 gegen 11:30 erreichten. Die Pointe des Eboulis ist eine flache Stelle auf 2607 m. Hier muss man eine längere Pause einlegen, um den herrlichen Ausblick zu genießen.

Wer noch Zeit und Kraft hat, kann einen Abstecher auf den Monte Cinto machen. Allerdings ist der Weg zum Gipfel nur sehr schlecht markiert. Zu sechst konnten wir ihn allerdings finden. Für die 100 Meter Höhendifferenz brauchten wir circa 20 Minuten. Diesmal waren wir flott unterwegs – die schweren Rucksäcken ließen wir an der Pointe des Eboulis liegen. Unten konnten wir den riesigen Lac de Calacuccia sehen, der auf 800 Meter Höhe liegt. Im letzten Sommer sind wir mit meinem Sohn an dem See vorbeigefahren.

Der kleine Umweg lohnte sich sehr – oben auf dem Monte Cinto genossen wir nämlich einen gigantischen Ausblick über ganz Korsika, ungestört von anderen Gipfeln. Auf dem Gipfel war es ziemlich windig, aber wir verbrachten auf dem höchsten Gipfel Korsikas fast eine Stunde.

Nach der Besteigung des Monte Cinto ruhten wir uns noch auf der Pointe des Eboulis aus. Der Abstieg erfolgte Richtung Süden über die Bocca Crucetta (2456 m). Der Wanderweg verlief nun durch Schutt und Geröll. Aus meiner Sicht wäre der Zustieg auf den Monte Cinto aus der Südseite wesentlich einfacher als vom Norden. Wunderschön war der Ausblick auf den Lac du Cinto, der auf 2289 Meter Höhe liegt und mit Sicherheit ebenfalls ein tolles Wanderziel ist. Für den Abstieg zum Refuge di Tighiettu benötigte ich circa vier Stunden.

Die nächste Übernachtungsmöglichkeit ist das Refuge di Tighiettu (1683 m). Ich entschloss mich zur Bergerie Ballone abzusteigen, die 200 Meter weiter unten liegt. Dort gibt es Biwakplätze, wunderschöne Badegumpen und leckeres korsisches Essen. Die Übernachtung in meinem leichten Zelt war allerdings etwas abenteuerlich. Es war sehr windig und ich hatte Angst, dass die Zeltheringe auf dem steinigen Boden nicht halten – kein Wunder dass ich sehr schlecht schlief.

5. Etappe: Refuge Tighiettu – Refuge Ciuttulu di i Mori (6,5 Kilometer, Aufstieg 600 HM, Abstieg 200 HM, 4 Stunden)

Die Bergerie Ballone bietet leckeren Käse und Kaffee. Mit meinem englischen Bekannten genoss ich dort das gute Frühstück, das mich nach der schweren Bergtour und wenig Schlaf in der Nacht stärkte. Wir schauten uns den Rother-Wanderführer und die Karten an und stellten fest, dass die zwei nächsten Etappen ziemlich leicht und kurz sind. Daher beschlossen wir die 15-Kilometer Strecke mit nur 650 Höhenmetern im Aufstieg an einem Tag zurückzulegen.

Am Vormittag war das Wetter sehr schön. Ich badete in einer Gumpe unterhalb der Bergerie. Danach begann der lange Aufstieg zur nächsten Hütte. Gegen Mittag war das Wetter sehr schlecht. An der Bocca di Foggiale (1962 m) war es extrem windig. Wir legten eine längere Pause im Refuge Ciuttulu di i Mori ein. Leider konnten wir an jenem Tag überhaupt keine Blicke auf die Berge und den formschönen Gipfel Paglia Orba genießen. Die Bilder von dieser Gegend habe ich während meines letzten Urlaubs auf Korsika gemacht.

6. Refuge Ciuttulu di i Mori – Castellu di Verghio (8 Kilometer, Aufstieg nur 50 HM, Abstieg 650 HM, 2,5 Stunden)

Nach der lange Mittagspause im Refuge Ciuttulu di i Mori wanderten wir zum Castellu di Verghio. Auf der kurzen 8-Kilometer Strecke wandert man nur bergab. Auf dieser leichten Etappe wanderte ich auch letztes Jahr Ende August – diesmal mit meinen beiden Männern und bei Traumwetter. Die 16 Kilometer-Strecke mit circa 700 Meter Höhendifferenz konnte auch mein Sohn (13) bewältigen. Besonders viel Spaß hatte er beim Baden in den kalten Gumpen im wunderschönen Golo-Tal auf 1700 Metern Höhe.

Mit meinem englischen Bekannten legten wir eine Kaffeepause in der Bergerie de Radule ein. Nach der Königsetappe am Vortag und jetzt zwei Etappen an einem Tag war ich sehr erschöpft. Die Felsmassive vor der Bergerie bei schlechtem Wetter schauten ganz anders aus als ein Jahr später während der Wanderung mit meinem Sohn.

Für die beiden Etappen zwischen dem Refuge Ciuttulu di i Mori und Col de Verghio benötigte ich mit dem schweren Rucksack circa 8 Stunden (inklusive Pausen). Beim Col de Verghio gibt es mehrere Übernachtungsmöglichkeiten – Biwakplatz, Hütte, Gité und Hotel Castellu di Verghio und einen-Minimarkt. Bei meiner Fernwanderung auf dem GR20 übernachtete ich im Gité (Mehrbettzimmer mit eigenem Bad), weil es an jenem Tag stark regnete. Der Col de Verghio (1477 m) ist der höchste Straßenpass Korsikas. Im letzten Sommer erreichten wir ihn mit dem Auto und verbrachten zwei Nächte auf dem Biwackplatz. Diese Gegend bietet hervorragende Wandermöglichkeiten.

7. Etappe: Castellu di Verghio – Refuge de Magnanu (16 Kilometer, Aufstieg 600 HM, Abstieg 400 HM, 6 Stunden)

Auf dieser langen, aber leichten Etappe war ich alleine unterwegs. Das Wetter war wieder schön. Zunächst wanderte ich im Wald zur kleinen Kapelle San Pedru, an der ich eine kleine Fotopause einlegte. Beim Aufstieg Richtung Südosten genoss ich einen schönen Ausblick auf die hohen Gipfeln – den Monte Cinto und Paglia Orba.

Den höchsten Punkt dieser Wanderung, die Bocca a Reta (1883 m), erreichte ich über einen Grat. Dort gab es tolle Fotomotive – eine riesige Horde der Bergziegen und den malerischen Lac de Nino. Ich wanderte zum See herunter und legte dort eine Mittagspause ein. Ich badete auch in einer wunderschönen Gumpe – das Wasser war allerdings ziemlich kalt.

Danach ging es bergab zum Refuge de Manganu. In der Bergerie de Vaccaghia kaufte ich einen korsischen Ziegenkäse – er schmecke köstlich. Am späten Nachmittag erreichte ich das Refuge de Magnanu (1601 m). Dort übernachtete ich wieder in einem Leihzelt, das war wesentlich komfortabler war als mein kleines Zelt.

Für diese 16-km Etappe mit 600 Höhenmetern benötigte ich circa 7 Stunden inklusive alle Pausen.

8. Etappe: Refuge de Magnanu – Refuge de Petra Piana (8,5 Kilometer, Aufstieg 900 HM, Abstieg 600 HM, 6,5 Stunden)

Diese Etappe nennt der Rother-Wanderführer „anstrengende Bergwanderung mit kleinen Kletterstellen (I)“. Ich wanderte wieder in Begleitung von Mark aus England. Der Höhepunkt dieser Etappe war die Überquerung der Breche de Capitello (2220 m). Dort legten wir eine längere Pause ein, um die schroffe Bergwelt, formschöne Felsen und die wunderschönen Seen Lac de Capitello und Lac de Melo zu bestaunen. Die beiden Bergseen liegen wesentlich tiefer unten – der Lac de Capitello auf 1939 m und der Lac de Melo auf 1711 m. Der Abstieg von der Breche de Capitello erfolgte über eine enge Felswand, durch die man herunter klettern musste. Da eine große Gruppe vor uns war, warteten wir ziemlich lange, bis wir weiter gehen konnten. Das war die schwierigste Stelle südlich des Monte Cinto.

Danach ging es zum Col de Rinoso (2170 m). Von dort aus sieht man den Lac de Rinoso, der 100 Meter tiefer liegt. Der Abstieg zum Refuge Petra de Piana dauerte circa zwei Stunden. Auch hier übernachtete ich im Leihzelt. Beim Abendessen erlebte ich einen wunderbaren Sonnenuntergang. Das war meine letzte Nacht auf dem GR20, was ich allerdings noch nicht wusste.

Auf der anspruchsvollen 8,5 Kilometer-Etappe mit 900 Höhenmetern im Aufstieg wanderte ich circa. 7 Stunden (inkl. Pausen).

9. Etappe: Refuge de Petra Piana – Refuge de l’Onda (10 Kilometer, Aufstieg 500 HM, Abstieg 900 HM, 4,5 Stunden)

Bei dieser Etappe handelt es sich um eine 10-Kilometer Bergwanderung mit 500 Höhenmetern im Aufstieg und 900 Höhenmetern im Abstieg. An diesem Tag war es schön sonnig, aber relativ windig und frisch. An diesem Tag war ich ebenfalls mit Mark unterwegs. Wir entschlossen uns, die Strecke etwas abzukürzen und über den Grad zu wandern. Das war vielleicht ein Fehler. Die Ausblicke mit den riesigen Felsen im Vordergrund waren zwar sehr beeindruckend, aber die Strecke war anspruchsvoll und anstrengend. Nach vier Stunden erreichten wir das Refuge de l’Onda (1431 m).

Für diese 10-Kilometer Etappe mit 500 Höhenmetern im Aufstieg benötigten wir circa 4 Stunden (nur kurze Fotopausen).

An diesem Tag war sehr müde und träumte von der Erholung am Sandstrand. Als mir Mark die Abkürzung zum Bahnhof Tattone auf der Karte zeigte, war ich begeistert. Es war erst 13 Uhr. Ich hatte gute Chancen, noch am Abend am Meer zu sein. Nach dem Abschied mit Mark beginn ich mit dem Abstieg. Sehr beeindruckend war das Manganello-Tal mit riesigen Badegumpen. An diesem Tag waren beide Akkus meiner Systemkamera leer und ich konnte leider keine guten Bilder machen. Zwei Stunden später war ich am Bahnhof im winzigen Ort Tattone. Der Zug kam gleich. Er war überfüllt und die Fahrt nach Bastia dauerte ziemlich lange. Das war egal. Als ich das Meer südlich von Bastia sah, war ich so glücklich. Endlich konnte ich mich ein paar Tage am Strand erholen.

Ich verbrachte noch 3 Tage am Campingplatz San Damiano, der zwischen Bastia und dem Flughafen liegt. Am ersten Tag frühstückte ich am herrlichen Sandstrand und genoss das Meer und das Nichtstun. Nach einem Tag am Strand war es mir jedoch langweilig und ich musste mich wieder bewegen. Daher machte ich einen riesigen, langsamen Traillauf um Bastia (circa 40 Kilometer). Ohne den riesigen 16-Kilo Rucksack fühlte ich mich so leicht. Und tatsächlich nahm ich nach 8,5 Tagen auf dem GR20 einige Kilos ab.

10. Etappe: Refuge de l’Onda – Vizzavona (10 Kilometer, Aufstieg 700 HM, Abstieg 1200 HM, 6 Stunden)

Diese 10-Kilomter Etappe mit 700 Höhenmetern im Aufstieg bezeichnet der Rother-Wanderführer als anstrengende Bergtour. Es geht bis zur Crete de Muralleto (2064 m) hinauf. Da ich so erschöpft war, verzichtete ich auf diese anspruchsvolle Strecke und stieg beim Refuge l’Onda zum Bahnhof Tattone ab. Der andere Grund war auch, dass ich mich nach 8,5 Tagen in wenig komfortablen Bedingungen auf dem GR20 nach einer heißen Dusche sehnte. Der komfotable Campingplatz San Damiano kam mir wie ein 4-Sterne Hotel vor.

Als wir im letzten Sommer Korsika wieder besuchten, wanderten wir noch von Isolaccio di Fiumorbo zum Refuge de Prati (1820 m), das auf der 13. Etappe liegt. Diese Gegend ist auch relativ einfach zu bewandern. Im Rother-Wanderführer gibt es insgesamt 19 Etappen des GR20, davon einige sehr kurz. Die südliche Hälfte ist mit Abstand einfacher als die nördliche. Mein Bekannter aus England Mark, mit dem ich noch Kontakt habe, bewanderte den ganzen GR20 in 15 Tagen. Er hatte allerdings drei Wochen Urlaub und konnte sich nach dem GR20 noch fast eine Woche am Strand erholen.

Wandern auf dem GR20 – Fazit

Ich muss zugeben, dass ich mit den Fernwanderungen wenig Erfahrung hatte und den GR20 total unterschätzt habe. Bisher bin ich nur in den Alpen gewandert und war nie mehr als 3 Tage mit einem schweren Rucksack unterwegs. Der Rucksack hat nie mehr als 12 Kilogramm gewogen. Als ich mit meinem Freund Ende Juni 2016 den Meraner Höhenweg in drei Tagen bewandert habe, hatte ich nur einen 7-Kilo schweren Rucksack dabei. Außerdem kann man den leichten Meraner Höhenweg mit dem GR20 nicht vergleichen.

Das nächste Mal würde ich versuchen, das Gewicht des Rucksacks auf 12 Kilo zu reduzieren. Dies wäre möglich, wenn ich mit meinem starken Freund wandern würde oder auf das Zelt und die Isomatte verzichten würde. Bei meinem Körpergewicht (58 Kilo) sind 16 Kilo Gepäck wesentlich zu viel.

Mittlerweile sind 1,5 Jahre nach meiner Fernwanderung auf dem GR20 vergangen. Auch im letzten Sommer war ich viel im korsischen Gebirge unterwegs. Wenn ich Zeit hätte, würde ich sehr gerne die südliche Hälfte oder sogar den ganzen GR20 wieder begehen.

 

 

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