Ich werde oft gefragt, wie ich das alles schaffe. Die ehrliche Antwort passt niemandem, der noch im 9-to-5 steckt.
Ortsunabhängig leben ist seit drei Jahren mein Alltag geworden. Bis zu neun Monate im Jahr bin ich unterwegs – mal auf unserem Segelboot in Kroatien, mal mit dem Dachzelt auf Roadtrip durch die Berge, mal im Winter auf den Kanarischen Inseln. Und immer wieder werde ich gefragt: Wie machst du das? Wie kannst du dir das leisten? Und vor allem: Wie hast du das geschafft?
In diesem Artikel erzähle ich, wie ich mir in über 20 Jahren Schritt für Schritt ein ortsunabhängiges Online-Business aufgebaut habe und heute zwischen München, den Bergen und dem Mittelmeer lebe und arbeite. Wenn du selbst davon träumst, ortsunabhängig zu arbeiten oder dir mehr Freiheit im Alltag zu schaffen, findest du hier keine schnelle Erfolgsformel, sondern meine persönliche Geschichte.
Die ehrliche Antwort ist: Es kam nicht über Nacht. Es war ein Weg von über 20 Jahren – mit einer Diplomarbeit, meinem Sohn, einem Segelboot, das eigentlich gar nicht gekauft werden sollte, und der Erkenntnis, dass Freiheit meistens keine plötzliche Entscheidung ist, sondern viele kleine.

Wie mein Weg zum ortsunabhängigen Arbeiten begann
Angefangen hat alles Ende 2003, mitten in meiner Diplomarbeit im Tourismusstudium. Mein Thema: Individualtourismus im Internet – zu einer Zeit, als das Internet für die Reisebranche noch echtes Neuland war. Beim Recherchieren stieß ich auf etwas, das mich sofort gepackt hat: die Möglichkeit, als Affiliate-Partner ein eigenes Online-Reisebüro aufzubauen.
Ich habe recherchiert, gelernt, ausprobiert – und angefangen, mein eigenes Reiseportal zu bauen. Neben meinem Vollzeitjob, wohlgemerkt. 30 bis 40 Stunden zusätzlich pro Woche, bis die ersten Buchungen kamen. Kein Masterplan, keine Investoren, kein “Ich kündige jetzt meinen Job und starte durch”. Einfach unzählige Abende und Wochenenden, in denen ich an etwas gearbeitet habe, von dem ich überzeugt war.
Ab 2006, dem Geburtsjahr meines Sohnes, konnte ich bereits sehr gut von meinem Online-Reisebüro leben. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, schon früh viel gemeinsam zu reisen. Bis zu seiner Einschulung verbrachten wir regelmäßig Zeit am Mittelmeer und im Winter oft mehrere Wochen auf den Kanarischen Inseln. Unser erster gemeinsamer Flug ging nach Mallorca – da war mein Sohn gerade einmal fünf Monate alt.
Rückblickend wurde mir erst später bewusst, dass ich schon damals ortsunabhängig arbeiten konnte. Der Unterschied zu heute ist, dass ich meine Reisen damals an den Alltag meines Sohnes angepasst habe und heute deutlich mehr zeitliche Freiheit habe.
Dieses Online-Reisebüro betreibe ich bis heute. Über die Jahre sind Blog und Social Media dazugekommen, aber das Fundament wurde damals gelegt, lange bevor “ortsunabhängig leben” ein Hashtag war.

Ortsunabhängig leben mit Familie und festen Verpflichtungen
Was viele nicht wissen: Der Sprung ins intensive Reisen kam nicht, weil ich alles hinter mir gelassen habe. Die Wohnung im Münchner Norden habe ich immer noch – gemeinsam mit meinem Partner, der ebenfalls selbstständig ist, aber einen Teil seiner Arbeit und ein paar Ortstermine in Deutschland erledigen muss. Wir sind also kein Paar, das sein ganzes Leben in einen Van gepackt hat. Wir haben einen Anker und trotzdem die Freiheit, monatelang weg zu sein.
Der größere Grund, warum ich früher nicht so viel unterwegs sein konnte, war ein anderer: Mein Sohn hat bis vor drei Jahren bei mir gewohnt. In dieser Zeit waren maximal drei Monate Reisen im Jahr möglich – mit ihm, alleine und mit meinem Partner. Alles andere musste sich um seinen Alltag herum organisieren lassen. Und das war auch richtig so.
Diese Phase war keine, in der ich ungeduldig auf meine Freiheit gewartet habe. Es war eine Phase, in der alles parallel wuchs: Mein Online-Business, meine Verantwortung zuhause und meine gemeinsame Aktivitäten mit meinem Sohn. Wir sind viel verreist, aber Reisen waren noch kein Lebensstil – bis sich das änderte.

Der Wendepunkt auf meinem Weg zum ortsunabhängigen Leben
Vor drei Jahren passierte etwas, das im Rückblick wie ein perfektes Zusammentreffen wirkt, sich damals aber einfach wie das Leben anfühlte, das seinen Lauf nimmt.
Erstens: Mein erwachsener Sohn zog mit 17 zu seinem Papa aus. Plötzlich hatte ich die zeitliche Freiheit, die vorher nicht da war.
Zweitens: Mein Partner machte eine einwöchige Segelausbildung auf Istrien. Er war komplett begeistert. Ich war auch mit an Bord und muss ehrlich sagen: Mir hat es überhaupt nicht gefallen. Zu eng mit sieben Leuten auf einem Boot, zu technisch, zu langweilig, zu schaukelig. Nach zwei Tagen bin ich ausgestiegen. Segeln, das war für mich damals abgehakt.
Drittens: Die Geschichte hat alles verändert: Ein Jahr später waren wir zum zweiten Mal auf der wunderschönen Insel Cres, übernachteten auf dem Campingplatz in Osor. Dort lernten wir einen sympathischen Österreicher kennen, der uns spontan zu einem kleinen Törn auf seinem alten Segelboot einlud. Und dieses Mal war alles anders: kein Kurs, keine sieben fremden Leute, kein starres Programm. Nur wir, das Meer und ein Mann, der uns von traumhaften Ankerbuchten im Sommer erzählte und davon, dass es auf dem Meer die Freiheit gibt, die man beim Camping-Life heutzutage nicht mehr hat.
Dieser individuelle Törn hat mich sofort überzeugt. Nicht das Segeln als Sport, sondern das Segeln als Lebensgefühl.
Nur einen Tag später entdeckten wir ein kleines Segelboot, das ein Deutscher aus Bayern verkaufen wollte. Wir haben ihn kontaktiert, sind zu ihm gefahren. Eine Woche später gehörte uns die sieben Jahre alte, kleine Viko S26. Kein durchdachter Plan – einfach ein Bauchgefühl, dem wir gefolgt sind.

Leben und Arbeiten auf dem Segelboot in Kroatien
Mit der Viko S26 haben wir zwei Jahre lang mehrere längere Törns zwischen Istrien und Zadar gemacht – bis zu vier Wochen. Doch mit der Zeit wurde uns klar: Für das, was wir vorhatten – wirklich länger an Bord zu leben, nicht nur zu segeln – war das Boot zu klein.
Im letzten Sommer haben wir uns deshalb mehrere zehn Meter lange Segelboote in der Region Zadar angeschaut. Seit Dezember gehört uns eine Bavaria 34 – eine kleine Segelyacht, mit der wir direkt bis nach Montenegro gefahren sind. Seit März liegt sie auf der wunderschönen Insel Hvar.
Dieses Boot ist für mich fast wie eine kleine Ferienwohnung, nur dass sich der Ausblick jeden Tag ändern kann, wenn wir es wollen. Man reist damit langsamer, bewusster, genussvoller – ein völlig anderes Tempo als Roadtrips oder klassisches Reisen.

Ortsunabhängig arbeiten und leben: Wie mein heutiger Alltag aussieht
Mein Leben pendelt heute zwischen dem Münchner Norden und wechselnden Orten – aktuell der Insel Hvar, früher Cres. Dazu kommen Roadtrips mit dem Dachzelt durch die Berge und die Wintermonate auf den Kanarischen Inseln, wenn in Europa alles grau wird.
Ich arbeite nicht nach einem festen Zeitplan. An manchen Tagen sitze ich schon morgens am Laptop, an anderen erst am Abend. Wenn das Wetter schlecht ist, nutze ich den Tag oft komplett zum Arbeiten. Scheint die Sonne und passt der Wind, verschiebe ich meine Arbeit auch mal und gehe stattdessen wandern, joggen oder verbringe ein paar Stunden auf dem Wasser. Genau diese Flexibilität schätze ich an meinem ortsunabhängigen Leben.
Zu meinem Arbeitsalltag gehören viele unterschiedliche Aufgaben: Ich betreibe seit über 20 Jahren mein Online-Reisebüro, aktualisiere die Reiseangebote, optimiere Werbung und schreibe neue Artikel für mein Reisemagazin. Außerdem arbeite ich an meinem Blog und meinen Social-Media-Kanälen – vor allem auf Instagram. Hinzu kommen die Buchhaltung, organisatorische Aufgaben und gelegentlich Projekte als Freelancer für ein anderes Unternehmen. Langweilig wird es also selten.
Reisen bedeutet für mich aber ausdrücklich keinen Dauerurlaub. Ich arbeite weiter an meinem Online-Business, nur eben mit wechselndem Blick aus dem “Büro”. Dazwischen: eine kleine Wanderung, eine größere Tour, eine Runde Radfahren, Joggen am Meer. Bewegung gehört für mich genauso zum Alltag wie die Arbeit selbst.

Ortsunabhängiges Leben starten: Meine wichtigsten Erfahrungen und Tipps
Wenn du dich fragst, wie so ein Leben aussehen könnte, sind das die Dinge, die ich aus über 20 Jahren mitgenommen habe:
Es fängt selten mit dem großen Sprung an. Mein Online-Business ist neben einem Vollzeitjob entstanden, über Jahre, mit viel Geduld. Die wenigsten “Aussteiger-Geschichten”, die auf Instagram glänzen, beginnen tatsächlich mit einem Tag X.
Verantwortung und Freiheit schließen sich nicht aus. Ich habe einen Sohn, der bei mir wohnte, eine Wohnung, einen Partner mit Terminen in Deutschland. Trotzdem war ortsunabhängiges Leben möglich – nur eben in einem anderen Tempo, als es Social Media oft suggeriert.
Manchmal muss man etwas erst hassen, um es später zu lieben. Meine erste Begegnung mit dem Segeln war eine einzige Enttäuschung. Hätte ich diese eine schlechte Erfahrung als endgültiges Urteil genommen, würde ich heute nicht auf einer Bavaria 34 vor Hvar liegen.
Die richtigen Begegnungen verändern alles. Ein Fremder auf einem Campingplatz in Osor hat mit ein paar Sätzen über Freiheit auf dem Meer etwas in mir ausgelöst, das ein ganzer Segelkurs nicht geschafft hat.
Häufige Fragen zum ortsunabhängigen Leben
Kann man ortsunabhängig leben, ohne digitaler Nomade zu sein?
Ja. Viele stellen sich unter einem ortsunabhängigen Leben vor, ständig den Kontinent zu wechseln oder jeden Monat an einem anderen Ort zu arbeiten. Mein Leben sieht anders aus. Ich pendle zwischen München, den Bergen und dem Mittelmeer.
Etwa zwei Drittel des Jahres bin ich unterwegs – auf unserem Segelboot in Kroatien, mit dem Dachzelt in den Bergen oder im Winter auf den Kanarischen Inseln. Das reicht mir vollkommen. Ich muss nicht das ganze Jahr auf Reisen sein. Ich genieße es genauso, zwischendurch nach Hause zu kommen, Familie und Freunde zu treffen und von dort aus zu arbeiten.

Wie lange dauert es, sich ein ortsunabhängiges Einkommen aufzubauen?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Mein Online-Reisebüro entstand 2004 neben einem Vollzeitjob und konnte meinen Job in einer Steuerkanzlei bereits nach einem halben Jahr kündigen und von meinem Online-Reisebüro leben. In den ersten zehn Jahren lief das Geschäft so gut, dass ich mit vergleichsweise wenig Arbeitsaufwand ein gutes Einkommen erzielen konnte.
Mit der Zeit hat sich die Reisebranche jedoch stark verändert. Mir wurde klar, dass es dauerhaft kein wirklich passives Einkommen gibt. Deshalb habe ich mein Online-Business kontinuierlich weiterentwickelt: Neben dem Reisebüro kamen mein Blog, Social Media – vor allem Instagram – und viele weitere Projekte hinzu. Rückblickend war genau diese Bereitschaft, mich immer wieder neu anzupassen und dazuzulernen, einer der wichtigsten Gründe dafür, dass ich heute noch ortsunabhängig arbeiten und leben kann.
Muss man alles aufgeben, um ortsunabhängig zu leben?
Nein. Ich habe weder meine Wohnung aufgegeben noch alle Verbindungen nach Deutschland abgebrochen. Wir leben im Eigentum und mein Partner benötigt gelegentlich eine Wohnung und ein Büro in Bayern. Deshalb behalten wir unseren festen Wohnsitz bewusst.
Anders kann es aussehen, wenn man zur Miete wohnt. Wer mehrere Monate oder sogar dauerhaft unterwegs ist, kann durch die Aufgabe der Wohnung oft erhebliche Mietkosten sparen. Ob das sinnvoll ist, hängt jedoch von der persönlichen Lebenssituation ab.
Für mich bedeutet ortsunabhängig zu leben nicht, alles hinter sich zu lassen, sondern selbst entscheiden zu können, wo ich arbeite und wie ich meine Zeit zwischen München, den Bergen und dem Mittelmeer gestalte.
Kann man auch auf einem Segelboot arbeiten?
Ja, sogar erstaunlich gut. Auf unserem neuen Segelboot ist der Tisch im Wohnraum groß genug, dass wir problemlos mit zwei Laptops gleichzeitig arbeiten können. Auch das schattige Cockpit eignet sich hervorragend als Arbeitsplatz. Wenn wir in einer Marina liegen, arbeite ich manchmal auch in einem Café im Yachthafen. Gerade in der ruhigen Nebensaison ist das meist völlig unkompliziert.
Etwas anders sieht es bei unseren Roadtrips mit dem Dachzelt aus. Der Tisch ist nicht bequem, es gibt kaum Schatten und längeres Arbeiten ist nicht komfortabel. Deshalb erledige ich unterwegs meist nur das Nötigste. Das ist für mich aber kein Problem, denn mit dem Dachzelt sind wir in der Regel nur für einige Tage unterwegs und diese Zeit ist für mich bewusst Urlaub.

Was ist für mich der größte Vorteil eines ortsunabhängigen Lebens?
Die Freiheit, meinen Alltag selbst zu gestalten. Ich kann morgens am Meer joggen, nachmittags arbeiten und am nächsten Tag eine Bergtour unternehmen. Es geht für mich nicht darum, ständig Urlaub zu machen, sondern Beruf, Natur und Bewegung so miteinander zu verbinden, dass sie zu meinem Leben passen.
Und, bereut?
Kein einziges Mal. Nicht in den guten Zeiten und auch nicht in den schlechten. Diese Freiheit kam nicht über Nacht. Kein Trick, kein Zufall. Nur viele kleine Entscheidungen, die mich Schritt für Schritt dorthin gebracht haben, wo ich heute bin.
Falls auch du von einem ortsunabhängigen Leben träumst oder einfach mehr Freiheit in deinen Alltag bringen möchtest, findest du auf meinem Blog viele weitere Geschichten und Tipps rund um das Leben zwischen München, den Bergen und dem Mittelmeer. Ich nehme dich mit auf Wanderungen, Roadtrips, Segeltörns und zeige, wie ich Arbeit, Reisen und Bewegung miteinander verbinde.
