Warum Abenteuer, Erlebnisse und außergewöhnliche Ziele glücklich machen

Weitwandern - Kärnten, Kaiser Franz Josefs Höhe

Wertewandel in unserer Gesellschaft

Die alten materiellen Werte haben ausgedient. Früher haben die Menschen das Geld für materielle Dinge am liebsten ausgegeben. Ein Eigenheim, ein schickes Auto oder ein top bezahlter Job waren die wichtigsten Werte. Heutzutage gewinnen neue Werte an Bedeutung – Abenteuerreisen und Erlebnisse.

Soziale Medien ermöglichen uns, sich mit anderen Leuten auszutauschen und beeinflussen die Werte. Wir sehen schöne Bilder von abenteuerlichen Outdoor-Aktivitäten oder einsamen Traumstränden und möchten das ebenfalls erleben. Wir können unsere eigenen Erlebnisse auf Facebook oder Instagram posten. Unsere Bilder inspirieren andere Leute und bleiben noch länger in unserer Erinnerung.

Der Autor des Geo-Artikels „Warum wahre Abenteuer so wertvoll für uns sind“ hat versucht, die Frage zu beantworten. In den letzten 10 Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, dass Abenteuer und außergewöhnliche Herausforderungen viel glücklicher machen als Konsum und materielle Dinge.

Mein größtes Abenteuer bisher – Weitwanderung Chiemsee – Adria

Im Sommer habe ich meine erste lange Weitwanderung gemacht. Ich bin mit meinem Freund vom Chiemsee zur Adria 550 km gewandert. Da wir nur drei Wochen Zeit hatten, mussten wir täglich durchschnittlich 28 km gehen und 1000 Höhenmeter bewältigen. Einige Etappen waren noch länger – bis zu 42 Kilometer und 2000 Höhenmeter am Tag. Wir wanderten mir schweren Rucksäcken, übernachteten oft in einem ultraleichten, winzigen Zelt und hatten viele Regentage.

Weitwandern - Slowenien, Triglav-Nationalpark

In den slowenischen Alpen erlebten wir einen starken Sturm, mussten umdrehen und verloren einen ganzen Tag. Da unsere langen Etappen sehr anspruchsvoll waren, waren wir manchmal übermüdet. Aber wir erreichten das ersehnte Ziel, die Adria in Muggia südlich von Triest und waren sehr glücklich.

Weitwandern Chiemsee - Triest

Trotz all dieser Strapazen erlebten wir unzählige Glückmomente bei der Weitwanderung. Wir genossen wunderschöne Landschaften in Bayern, Tirol, Kärnten und Slowenien – grüne Berge und schroffe Felsen, große Seen und winzige Bergseen, Flüsse und Bergbäche, lebendige Städte, idyllische Orte und Bergdörfer. Ich habe noch nie in einer kurzen Zeit so viele Abenteuer erlebt. Wir mussten einige Male in den Bergen übernachten und wurden mit gigantischen Sonnenaufgängen und Sonnenuntergängen belohnt.

Weitwandern Saalachtaler Höhenweg, Sonnenuntergang

Nach vier Wochen habe ich alle Schwierigkeiten während unserer Weitwanderung beinahe vergessen. Sie bleibt in meiner Erinnerung als ein wunderschönes Erlebnis. Die Weitwanderung und allen anderen Outdoor-Aktivitäten, die ich in den letzten sieben Jahren gemacht habe, geben mir das Gefühl, intensiv zu leben.

Was passiert, wenn man nicht viel erlebt?

Als ich 22 Jahre alt war, hatte ich die Möglichkeit, riesige Abenteuer zu erleben. Ich lebte noch in Polen und studierte Germanistik. 1994 lernte einen Bergsteiger aus Wien kennen und unternahm mit ihm im Sommer mehrere Hochtouren. Auch einige Viertausender waren dabei, unter anderem der Weißmies in den Walliser Alpen.

Zwei Jahre später zog ich nach München um und begann mit meinem Zweitstudium. Das war eine anstrengende Zeit für mich – der betriebswirtschaftliche Studiengang Tourismus war sehr anspruchsvoll und ich musste nebenbei arbeiten, um mein Studium und meinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Obwohl ich in München die Berge fast vor der Haustür hatte, nutzte ich die Möglichkeit nicht. Jede zwei Jahre gönnte ich mir einen Urlaub am Mittelmeer. Nach dem Studium arbeitete ich sehr viel. Hauptberuflich arbeitete ich in der Vollzeit in einer Steuerkanzlei und in der Freizeit baute ich meine Selbstständigkeit auf – ein Online-Reisebüro. 2006, nach der Geburt meines Sohnes, hatte meine Firma schon sehr gute Einnahmen und ich konnte endlich weniger arbeiten. Ich reiste ich viel zu den Mittelmeer- und Kanareninseln. Die Urlaube waren keine großen Abenteuer, aber im Vergleich zum monotonen Alltag, waren es schöne Erlebnisse. Besonders gerne verreiste ich im Winter, um der kalten und grauen Jahreszeit zu entliehen. Da ich damals keine Leidenschaften hatte, bekam ich in der tristen Zeit einen Winterblues. Ich besuchte oft Einkaufszentren, um mir wieder etwas neues zu kaufen und mich kurz glücklich zu fühlen.

Teneriffa Urlaub - Playa de la Arena

Erst vor 10 Jahren, als ich mit dem Sport anfing, verschwand der Winterblues. Ich war oft im Fitnessstudio, joggte, und radelte gerne. Eine absolvierte Sporteinheit hellte gleich meine Stimmung auf.

Als ich meinen neuen Partner vor 7 Jahren kennenlernte, unternahmen wir die ersten abenteuerlichen Wanderungen, Radtouren und Aktivurlaube. Ich probierte neue Sachen aus – Langlaufen, Schneeschuhwandern, Rennradfahren und nahm an sportlichen Wettkämpfen teil. Seit dieser Zeit habe ich das Gefühl, dass ich intensiv lebe und das macht mich glücklich.

Mittlerweile unternahm unzählige abenteuerliche Touren und viele spannende Aktivurlaube. Unvergesslich war die Besteigung des Viertausenders Weissmies vor vier Jahren. Die Hochtour war sehr anstrengend, aber das waren unvergessliche Glücksmomente, nach 22 Jahren wieder auf dem Gipfel zu stehen und die grandiose hohe Bergwelt bei Traumwetter zu genießen.

Abenteuer Weissmies, Besteigung

In den letzten Jahren macht mich sehr glücklich, mit meinem Sohn solche Abenteuer zu erleben. Unsere Sommerurlaube auf Korsika, in Nordeuropa und in Südtirol waren unvergessliche Erlebnisse. In diesem Jahr waren wir zum ersten Mal zusammen auf einem Dreitausender.

Abenteuer und Erlebnisse machen die Menschen viel glücklicher als Gegenstände

Die Glückforscher haben herausgefunden, dass die Erlebnisse die Menschen viel glücklicher als Gegenstände machen. Der Psychologieprofessor der Harvard-Universität Daniel Gilbert empfiehlt für das glückliche Leben „Geben Sie Ihr Geld für Erlebnisse aus“. Die Studien der anderen US-Wissenschaftler haben erwiesen, dass die Erlebnisse uns wesentlich näher als Gegenstände sind und viel länger in Erinnerung bleiben. Wir neigen auch dazu, negative Seiten der Erlebnisse auszublenden und uns nur an das positive zu erinnern.

Genauso ist es mit meiner letzten Weitwanderung. Die Strapazen habe ich überwunden und es bleiben nur noch schönere Landschaften und Erlebnisse in meiner Erinnerung. Der verregnete Alltag scheint mir jetzt nicht so schlimm zu sein, weil ich weiß, dass ich bald wieder eine spannende Tour und im nächsten Sommer eine lange Weitwanderung unternehme.

Warum brauchen die Menschen wahre Abenteuer?

Die Menschheitsgeschichte ist 300.000 Jahre alt. Unsere Vorfahren, Homo Sapiens, hatten keinen festen Wohnsitz, legten täglich bis zu 40 km zu Fuß zurück, lebten in der wilden Natur und erlebten täglich Abenteuer. Wir wissen mittlerweile, dass auch der moderne Mensch von heute die Bewegung an der frischen Luft braucht, um gesund und fit zu sein. Vielleicht ist es ähnlich mit Outdoor-Abenteuern – wir brauchen sie, weil das in unseren Genen liegt.

Laufen im Frühling

Noch vor 100 Jahren haben die meisten Menschen hart körperlich gearbeitet. In der knappen Freizeit waren sie erschöpft und mussten sich erholen. Nur Adlige und Reiche hatten Zeit, Geld und Energie für Sport, Outdoor-Aktivitäten und Abenteuer.

Heute sieht alles ganz anders aus. Es gibt nur noch wenige Berufe, die mit der körperlichen Arbeit verbunden sind. Wir arbeiten fünf Tage in der Woche, haben ziemlich viel Freizeit und Urlaub. Laut dem Freizeitforscher Horst Opaschowski ist die 4-Tage-Arbeitswoche längst überfällig. Daher ist es selbstverständlich, dass wir die Freizeit sinnvoll verbringen wollen – nämlich mit Dingen, die uns guttun und die uns langfristig glücklich machen. Und das sind die Abenteuer, die uns das Gefühl geben, intensiv zu leben.

Die Menschen brauchen unterschiedliche Abenteuer und Herausforderungen

Jeder Mensch ist anders. Manchen Freizeitsportler lieben die sportliche Herausforderung wie ein Marathon oder Triathlon. Sie bewegen sich viel an der frischen Luft, trainieren hart und werden für die Anstrengungen mit einem Erfolgserlebnis am Ziel belohnt. Ich habe mehrere Wettkämpfe, unter anderem drei Marathons und einen Triathlon, gefinished. Vor einem Jahr wollte ich den Marathon Verona laufen und trainierte viel im Herbst. Ich war vorbereitet, aber wegen der schlechten Wettervorhersage (starker Regen und Wind) hatte ich keine Lust, nach Verona zu fahren. Jetzt weiß ich, dass der Sport mir wichtig ist und meistens Spaß macht, aber dass die Wettkämpfe keine geeigneten Herausforderungen für mich sind. Passenden Herausforderungen, die mich glücklich machen, sind abenteuerliche Bergtouren und die lange Weitwanderungen.

Marathon Pitztal-Imst

Man muss allerdings nicht unbedingt Viertausender besteigen oder drei Wochen lang 550 km vom Chiemsee zur Adria mit Zelt wandern, um Abenteuer zu erleben. Wer noch wenig Erfahrung in den Bergen hat, wird bei einer Bergtour auf einen Zweitausender oder einer aussichtsreichen Almwanderung unvergessliche Momente erleben. Wer nur Tageswanderungen gemacht hat, erlebt Abenteuer bei einer mehrtägigen Hüttenwanderung oder einer 150-km Weitwanderung mit Übernachtungen in gemütlichen Unterkünften. Ich kann euch die Hüttenwanderung auf dem Meraner Höhenweg empfehlen. Wer sich allein nicht traut oder keine Erfahrung hat, kann eine geführte oder organisierte Tour buchen.

Hüttenwanderung auf dem Meraner Höhenweg

Es ist wichtig, dass wir neue Sachen ausprobieren. Nur so können wir herauszufinden, welche Aktivitäten für uns geeignet sind. Und wenn wir das schon wissen, steht nichts mehr auf dem Weg zu Abenteuern und Erlebnissen.

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